Reality Check: Was haben Pornos mit Sex zu tun? Published on:

3. März 2018
Früher das totale Tabu, heute die unausgesprochene Selbstverständlichkeit: Pornos regieren das Internet. Ungefähr 30 Prozent aller Internet-Seiten haben einen pornografischen Inhalt. Aber ist das, was man da sieht, überhaupt wie echter Sex? Wir machen den Reality Check:

“Wie sieht Sex eigentlich aus?”

Irgendwann fragen sich die meisten Jugendlichen: “Wie sieht Sex eigentlich aus?” Und ihre Antwort suchen sie auf Porno-Seiten. Meistens werden die ihnen von irgendwelchen Freunden gezeigt, die denken, dass das irgendwie lustig und besonders ist. Ich habe meinen ersten Porno auf dem 14. Geburtstag von einem Kumpel gesehen, nachts um halb zwölf. Wir waren pubertäre, kleine Jungs, die über alles gekichert haben und alles, was mit Frauen oder Mädchen zu tun hatte, natürlich mega spannend fanden. Auf einmal öffnete einer der Jungs, der den Laptop an sich reißen konnte, eine Porno-Seite.

Nackte Tatsachen

“Woooooooooow”, dachten wir uns. “Überall nackte Frauen, das ist ja der Hammer!” Dabei hatten wir keine Ahnung, was das überhaupt ist – Sex. Und wir hatten keine Ahnung, was wir uns da gerade anschauten. Denn im Porno ist nichts so wie es scheint. Hinter den notgeilen, sexliebenden Frauen, die man in diesen Filmchen sieht, stecken nämlich häufig verarmte, drogenabhängige oder betrunkene Mädchen, die manchmal sogar dazu gezwungen werden.

Einige der Darstellerinnen, die sogenannten Amateurinnen, machen diesen Job nicht hauptberuflich. Sie lassen sich nur einmal beim Sex mit einem Fremden filmen und kriegen dafür ein bisschen Geld. Die Betreiber der Seiten werden dadurch nicht selten steinreich. Häufig sind das Studentinnen, die sich neben dem Studium etwas dazuverdienen wollen. Doch das Internet vergisst nie. Was einmal online ist, bleibt es für immer und viele der Mädchen sind sich über diese Konsequenzen nicht bewusst.

Ist das wirklich Sex?

Wenn man als 13-Jähriger zum ersten Mal eine nackte Frau sieht, kann einen das schon ganz schön beeindrucken. In der Pubertät dreht sich ja alles um das andere Geschlecht und irgendwann weiß man natürlich auch, was Sex ist und wo die Babys herkommen. Aber das Ganze zu sehen, ist was anderes. Und leider muss ich euch enttäuschen: Pornos haben nur sehr wenig mit echtem Sex und noch viel weniger mit Liebe zu tun. Es geht bei dieser Industrie weder um die Darsteller, noch um irgendeine Message oder einen Bezug zur Realität. Es soll nur gut vor der Kamera aussehen, damit der Zuschauer das sieht, was er sehen will. Aber das ist nicht real.

Wo sind die Unterschiede?

Echter Sex sollte nicht nur auf die körperliche Befriedigung hinauslaufen, sondern hat etwas mit Liebe, Zuneigung und Zärtlichkeit zu tun. Viele Pornos sind das exakte Gegenteil. Außerdem werden die Frauen in vielen Pornos als dauergeile Sex-Puppen dargestellt, die alles mit sich machen lassen. Auch das ist in Wirklichkeit nicht so. Sex hat viel mit Kommunikation zu tun: Man spricht Vorlieben und Wünsche mit seinem Partner ab und versucht gemeinsam einen Weg zu finden, der für beide angenehm und befriedigend ist. Es geht um ein gemeinsames Verständnis, tiefes Vertrauen und gute Absprache.

Ist wirklich alles schlecht?

Nein, so schwarz-weiß sollte man das natürlich nicht sehen. Es gibt schwarze Schafe (und davon in dieser Branche nicht wenige), die die Frauen ausnutzen, schlecht bezahlen oder nicht gut behandeln. Es gibt auch Pornos, wie zum Beispiel die von der deutschen Regisseurin Laura Méritt, die besonderen Wert auf das Bild der Frau in den Filmen legen und darauf achten, dass echter Sex und kein Filmsex gezeigt wird. ”Feministinnen-Pornos” werden die häufig genannt. Dabei geht es eigentlich nur um eine realistische Darstellung, wie zwei Menschen miteinander Sex haben. Und wenn beide Darsteller damit einverstanden sind und eine gute Kommunikation und Transparenz herrscht, kann ich nur sagen:

Do what you want. Do it with love, respect and condoms.

Lest hier unseren letzten Blog-Beitrag und erfahrt mehr aus der Welt von JGA!

 

Wenn ihr Fragen, Anregungen oder Feedback für uns habt, schickt uns einfach eine Mail an: blog@jugend-gegen-aids.de! Wir freuen uns über jede Reaktion und antworten jedem natürlich so schnell es geht.

 

Autor: Maxi

Team Blog

Jugend gegen AIDS e.V.

blog@jugend-gegen-aids.de

This post was written by Jugend gegen AIDS Blog

Related