Gastbeitrag: Ein Vibrator auf Rezept bitte Published on:

24. Juli 2017
Ein Vibrator auf Rezept bitte (werde schon wieder so hysterisch) – von Saskia


Sextoys sind keine Erfindung der Pornoindustrie, sondern schon so lange da, wie es Menschen gibt.

Kleiner Ausflug in die Antike: Krieger schenkten ihren Frauen Dildos (Olisbos) bevor sie in den Krieg gingen (altmodische Fremdgehprophylaxe). So waren Dildos weit verbreitet, bis im Mittelalter die Kirche kam und alles verbot, was Spaß machte (aka eine Sünde ist).

Bis eine Modekrankheit in der Bourgeoisie ausbrach: die Hysterie der Frau.

Hysterikerinnen fielen in Ekstase-ähnliche Zustände, hatten Halluzinationen und röchelten den Boden entlang. In der heutigen Zeit hätten sie vielleicht noch ihr Smartphone in der Hand und würden kreischend Whatsapp-Voicemessages aufnehmen. Na ja, so oder so ähnlich stelle ich mir jedenfalls einen hysterischen Anfall vor.

Tatsächlich reichten vor 100 Jahren weitaus weniger „Symptome“ aus, um den Stempel „Hysterikerin“ aufgedrückt zu bekommen. Das bedeute mal eine schlechte Laune oder ein genervter Kommentar und zack, dir wird eine psychische Krankheit aufgedrückt. Kein Wunder also, dass man zu damaligen Zeiten davon ausging, dass z.B. 2/3 der Frauen aus besser betuchten Haushalten in England an Hysterie „litten“.

Doch woran fehlte es den Damen damals?

Erst einmal ist es wichtig zu wissen, dass das Wort „Hysterie“ von dem altgriechischen Wort „Hystera“ (= Gebärmutter) abgeleitet wurde. Der Name ist in diesem Fall auch Programm, die Erkrankung kommt aus der Antike. Dort glaubte man, dass wenn die Gebärmutter nicht regelmäßig Sex hat, sie launisch werden würde, was sich dann auf den ganzen Körper auswirkt. (Meiner Meinung nach unglaublich sexistisch, weshalb ich den kompletten Wortstamm um hysterisch aus meinem täglichen Wortschatz gestrichen habe.)

Man behandelte die Hysterikerin im 20. Jahrhundert damit, dass man sie zum Orgasmus brachte. Allerdings unterschied sich das damalige Frauenbild noch deutlich von dem heutigen. So ging man davon aus, dass Frauen keinen Sexualtrieb haben und Sex = Penetration einzig und allein durch den Penis bedeutet.

Somit war es völlig legitim eine Hysterikerin zu einem Facharzt zu schicken, der sie dann an der Klitoris massierte, bis sie zum Orgasmus kam. Ganz unerotisch, steril, ausschließlich der Gesundheit zu liebe.

Da eine komplette Hysterie-Welle ausbrach, fingen die Ärzte an über Krämpfe in den Fingern zu klagen und es wurden Geräte erfunden, die die Behandlung von Hysterikerinnen erleichtern sollten.
Zuerst Staubsauger-große Vibratoren beim Arzt, welche mit der Zeit handlicher wurden und nach einiger Zeit Platz neben Tampons und Binden fanden. Eine Notwendigkeit um ein Frauenleiden zu lindern. Auf Rezept quasi, weil man leider eine Gebärmutter hat und keinen Penis.

This post was written by Jugend gegen AIDS Blog

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