4 Fragen an Botschafter Martin Schäfer Published on:

30. Mai 2018
Während unserer Reise nach Südafrika hatte unser CEO Daniel Nagel die Möglichkeit, mit dem deutschen Botschafter Martin Schäfer über die Rolle der Jugend im Kampf gegen HIV und AIDS zu sprechen. In Petroia ging es aber auch um unsere globale Initiative AIDS2018, mit der wir Volunteers für die Welt-AIDS-Konferenz in Amsterdam mobilisieren wollen.

Herr Schäfer, wie wird man eigentlich Botschafter und was hat man für Aufgaben?

Botschafter wird man, indem man von der Bundesregierung zum Botschafter ernannt wird. Dafür sollte man lange Jahre, in meinem Fall über zwei Jahrzehnte, im Auswärtigen Dienst gearbeitet haben, wofür man sich nach seinem Studium bewerben muss. Als Botschafter bin ich die Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Südafrika und den beiden Königreichen Swasiland und Lesotho. Mein Job ist es, die Beziehung zwischen Deutschland und Südafrika zu begleiten, zu gestalten und zu organisieren. Ich bin gewissermaßen der Ansprechpartner für alle Kontakte zwischen den beiden Regierungen.

Wir bei JGA kümmern uns natürlich hauptsächlich um das Thema Aufklärung im Kontext HIV und AIDS. Ist das für Sie in ihrer Arbeit als Botschafter auch ein wichtiges Thema?

Ich habe hier schon vor längerer Zeit ein paar Jahre verbracht und an der Botschaft gearbeitet. Damals war es wirklich so, dass die Befürchtung bestand, HIV und AIDS könnten im südlichen Afrika regelrecht ein Desaster anrichten. Und zwar im Sinne vom Untergang einer gesamten Gesellschaft oder einer ganzen Kultur. Denn damals war man noch nicht sicher, dass die moderne Medizin, die es gibt, tatsächlich die Weiterentwicklung der Krankheit verhindern kann. In Südafrika waren zum Teil 50 Prozent der jungen Männer und Frauen infiziert. Die Vorstellung, dass diese jungen Menschen über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren alle sterben würden, war ein totales Desaster. Deshalb ist der medizinische Fortschritt, und auch die erkämpfte Bereitschaft, dass die afrikanische Regierung die Medikamente allen Menschen kostenlos zur Verfügung stellt, die sie haben wollen, ein großer Fortschritt. Denn heute ist HIV und AIDS zwar immer noch ein riesiges Problem, aber es hat nicht mehr diese katastrophalen Ausmaße, die es noch vor einigen Jahren hatte.

Welchen Fokus würden Sie bei der Prävention setzen? Wer ist die Zielgruppe, bei der man am meisten erreichen könnte?

In Südafrika gibt es verschiedene Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen. Es gibt die, die unterdrückt werden und die, die unterdrücken. Wenn man Verhaltensweisen ändern möchte, muss man versuchen, die Unterdrückten in die Lage zu versetzen, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Das ist einer unserer Schwerpunkte. Aber es geht natürlich auch darum, denjenigen, die Macht oder körperliche Gewalt ausüben, klarzumachen, dass das, was sie machen, falsch und kein Spaß ist. Sondern mit Blick auf HIV und AIDS tödlicher Ernst sein kann. Mein Gefühl sagt mir: Man darf einfach nicht nachlassen, dafür zu werben, dass es faire, gleichberechtigte Beziehungen zwischen Männern und Frauen gibt. Dass Geschlechtsverkehr etwas ist, das man freiwillig und aus Spaß miteinander tut und dass Gewalt in einer solchen Beziehung absolut nichts verloren hat.

Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen beim Thema HIV/AIDS oder Aufklärung besonders im Kopf geblieben ist?

Ich bin 1983 – also vor 35 Jahren – als Austauschschüler in die USA gegangen und habe ein Jahr in Kalifornien bei einer Gastfamilie verbracht. Das war genau der Zeitraum, in dem AIDS ausgebrochen war und die ersten Nachrichten entstanden, über eine Krankheit, die im Wesentlichen schwule Männer befiel. Ich erinnere mich gut daran, dass wir unter denjenigen, die ausgewählt waren, um als Austauschschüler in die USA zu gehen, darüber diskutiert haben: „Was ist das überhaupt für eine Krankheit, wo kommt sie her?“ Und jeder hatte seine Spekulationen und Gerüchte und Behauptungen. Das war ein total wirres Durcheinander. Ich bin froh, dass es jetzt – eineinhalb Generationen später – ungleich mehr Wissen über diese Krankheit gibt. Und ich glaube auch, dass wir im Überwinden der Stigmata und Vorurteile große Schritte vorangekommen sind. Also „Es ist nur was für Schwule, es trifft nur Arme“ und so weiter. Trotzdem bleibt es eine Krankheit, die hier in Südafrika noch immer mehreren 100.000 Menschen im Jahr das Leben kostet. Deshalb dürfen wir nicht nachlassen, das zu tun, was erforderlich ist, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die Arbeit die ihr macht, finde ich deshalb ganz großartig. Alles, was wir tun können, um euch dabei zu unterstützen, tun wir gern.

Do what you want. Do it with love, respect and condoms.
Autor: David
Team Blog
blog@jugend-gegen-aids.de

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