Ein bisschen Liebe zwischen ganz viel Party

“Sexismus ist hier allgegenwärtig. Es gibt total krasse Rollenbilder und es wird extrem auf das Aussehen geachtet.”, meinen Fabian und Lena aus Warendorf. Die beiden sind Besucher auf dem Parookaville Festival 2019 und sind sich einig: Auf dem Festival steht zwar jedem offen, sich zu verhalten und kleiden, wie man möchte. Trotzdem scheinen aber Äußerlichkeiten hier für viele sehr wichtig zu sein. 


Das spiegelt sich auch in den Angeboten vor Ort wieder: Die Besucher können sich stylen lassen, werden mit Steinchen beklebt und Glitzer bestreut und können ihren Körper mit Bodypainting betonen.


Die beiden 23-Jährigen sind seit über acht Jahren sehr gut befreundet und erzählen, dass es für sie so scheine, als wäre genau dieser Fokus auf Äußerlichkeiten so stark, weil einige der Besucher sich dadurch präsentieren und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. “Viele sind sehr freizügig und aufreizend gekleidet. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass sie einen potentiellen Sexpartner suchen”, erzählt Lena. 


Sex gehört hier einfach dazu


Fabian hat das auch ganz aktiv wahrgenommen: “Man bekommt auf jeden Fall mit, dass die Besucher hier auf dem Festival Sex haben. Wenn Leute beispielsweise zu zweit aus der Dusche kommen und 18 Leute außenrum applaudieren, ist es für diejenigen dann im Zweifel schon eher unangenehm. Da macht sich aber bestimmt nicht jeder was draus.”


Außerdem gehöre Sex einfach dazu, meint Lena daraufhin. Es sei absolut normal und auf einem Festival so selbstverständlich wie im Urlaub oder Alltag. Deshalb sei es ihr auch wichtig, sich offen und locker darüber auszutauschen. Beide hätten aber jeweils einen festen Partner, der nicht vor Ort ist. Deshalb spiele Sex für sie persönlich hier keine große Rolle. Sie seien einfach hier, um Spaß zu haben, die entspannte Atmosphäre zu genießen und zu der Musik zu feiern. 


Festival-Season mal ganz ohne Zwang


Obwohl Rollenbilder auf dem Parookaville laut den beiden allgegenwärtig sind, lassen die beiden sich davon nicht einengen. “Ich kann für mich selbst entscheiden, was ich tue und wie ich mich anziehe”, sagt Lena. Fabian stimmt ihr zu: “Man selber überlegt, was man sagt. Außerdem geben wir uns gegenseitig Rückendeckung. Wenn Lena dumm angequatscht wird, bin ich ja auch direkt da.” Lena grinst ihn bei dieser Aussage an: “So einen besten Freund wünscht man sich doch, oder?”


Deshalb haben sie ihre Freundschaft auch mittlerweile schon zum zweiten Mal in Folge auf dem Parookaville Festival mit dem Ja-Wort besiegelt. Die Veranstalter bieten an, Besucher miteinander zu verheiraten. Natürlich in lockerer Atmosphäre und letztendlich auch ohne rechtliche Wirksamkeit. “Der Veranstalter scheidet einen ja immer wieder, nachdem das Festival vorbei ist”, erklärt Lena dazu. Deshalb müssten sie halt einfach immer wieder heiraten. Es gibt sie also doch auf dem Festival: Liebe.


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